Achtsamkeit im Alltag

3 Übungen für mehr Achtsamkeit

Slider 935

Achtsamkeit im Alltag

3 Übungen für mehr Achtsamkeit

Der ein oder andere stimmt mir sicher zu – das ist doch manchmal so eine Sache mit der Achtsamkeit. Seit Jahren beschäftige ich mich immer wieder mit ihr und komme beschwingt und voller guter Achtsamkeitsabsichten von Seminaren nach Hause. Dann setzte ich mich hin und trinke ganz seelig in Achtsamkeit einen Tee. Konzentriere mich auf die unterschiedlichsten Geschmacksnuancen, die schöne Farbe und den wohligen Geruch des Tees – und das natürlich alles im Bewusstsein meines ruhig fließenden Atems.

Doch nach einiger Zeit passiert es dann wieder und ich werde jäh aus meiner Achtsamkeitswelt gerissen. Die leise Befürchtung steigt ab und an in mir auf, dass ich nichts dazugelernt habe…kürzlich erst…mal wieder so eine typische Situation:

Das Handy in der einen Hand, verbunden mit wildem Tippen auf WhatsApp (natürlich mit drei Leuten gleichzeitig). Die Handtasche in der anderen, nebenbei den Schal noch schnell umwickeln und die Jacke anziehen.  In meinem Kopf das kontinuierliche Vorsagen der Sachen, die ich gleich, im Yogastudio angekommen, nicht vergessen darf. Und schwupps Tür zu – Schlüssel drin und der Stress vorprogrammiert.

Wo war sie da die liebe Achtsamkeit? Ich befürchte fast, wenn man sie am Nötigsten braucht ist sie nicht da?

Soll dieses ganze Üben, Seminare besuchen, Bücher lesen überhaupt nichts gebracht haben?

Oder ist es vielleicht genau dann ein Moment der Achtsamkeit wenn wir feststellen, wie unsere Gedanken hin und her springen und wir völlig in diese Gedankenwelt abgetaucht sind. Sind wir nicht genau in dem Moment achtsam, wenn wir merken, was da wieder für ein Gedankenkino abgeht? Ja, das sind wir!

Anstatt mich zu grämen, ist es vielmehr ein Grund mir selbst zuzulächeln und nicht gleich wieder meine innere Kritikerkeule rauszuholen. Ein Lächeln, den Gedanken loslassen und wieder zum achtsamen Moment zurückkommen. Ein wahrer Moment der Achtsamkeit. Noch vor einiger Zeit hätte ich diesen stetigen Gedankenteppich als selbstverständlich genommen. Achtsame Momente waren eher Mangelware. Das Üben trägt also doch seine Früchte.

 

Warum will uns die Ernte der Achtsamkeit aber im Alltag so schwer gelingen?

Ich glaube, es ist wichtig sich einzugestehen, dass sich unser innerer Steuermann einfach schwer tut mit achtsamer Veränderung. Warum auch was ändern, wenn das Altbewährte gut funktioniert hat?

Weil in diesen seltenen achtsamen Momenten so viel Zauber steckt. Stell Dir vor: Du stellst fest, dass Du mal wieder nicht achtsam warst. Wow. Schon wieder. Naja, egal. Zwei, drei tiefe Atemzüge – loslassen und bewußt in den jetzigen Augenblick kommen. Stell Dir das Vogelgezwitscher vor, dass Du auf einmal war nimmst, oder den angenehmen Wind. Stell Dir die Geschmacksvielfalt vor, die Dein Essen hat und die unterschiedlichen Gerüche, stell Dir vor Du wie schön die Blume ist, die Du gerade am Wegesrand entdeckst…Da gibt es sooo viel zu entdecken.

Diese Momente lohnen sich und genau deshalb ist es so wichtig, dass wir weiter beharrlich üben. Dass wir uns immer wieder bewußt diesen schönen Momenten aussetzten und das Leben in vollen Zügen genießen.

 

Deshalb hier meine drei Lieblings-Übungen:

1) Achtsames Atmen: bewusst ein und auszuatmen ist einfach der Hit. Nichts bringt uns so schnell in den Moment zurück als der Atem. Atme bewusst ein und aus und hole Deine Gedanken aus ihrer Grübelei. Lenke Deine ganze Konzentration auf Deinen Atem. Es gibt nichts weiter zu tun als, einzuatmen und auszuatmen. Willkommen im Jetzt!

2) Achtsames Essen: Essenszeit – und das Essen mal so richtig erleben. Ohne Ablenkung. Mache bewusst TV & alles Störende um Dich herum aus. Konzentriere Dich vollkommen auf das Essen: Geruch, Aussehen, Geschmack… Lass Dir Zeit und genieße!

3) Achtsames Gehen: Lass doch mal Deinen nächsten Weg (zum Einkaufen, Job, in die Küche…) zum Erlebnis werden. Gehe etwas langsamer und spüre bewusst wie Du den Fuß auf den Boden setzt und sich der Körper nach oben hin ausrichtet. Genieße jeden Schritt!

Viel Spaß beim Üben!

Jeanette

(veröffentlicht Oktober 2015 im Asanayoga)